Ausgabe 05/2017

motorist 0517Ausgabe 05/2017 im Volltext

Im Gespräch mit Hannes Viertlmayr, Geschäftsführer Husqvarna Österreich

Profi-Anwender im Focus

Husqvarna hat sich in den letzten Jahren vom traditionellen Konzern zu einem ak- tiven jugendlichen Unternehmen gemausert, das immer wieder für Überraschungen gut ist. So wurden bei heurigen Händlertagung in Gmunden nicht nur zwei neue Pro- fi-Sägen präsentiert und erstmals Hochdruckreiniger vorgestellt, sondern auch die Neu-Positionierung der in Österreich beliebten Marke Jonsered angekündigt. Wichtiges Thema – wie immer in den letzten Jahren – Digitalisierung und vor allem der Bereich Fleet Service. ÖMM-Chefredakteurin Hannelore Wachter-Sieg sprach mit Husqvarna Austria-Geschäftsführer Johannes Viertlmayr über die Entwicklung und Positionierung von Husqvarna in den kommenden Jahren.

ÖMM: Herr Viertlmayr, Husqvarna hat sich in den letzten Jahren zu einem starken innovativen Unternehmen gemausert. Nur im Bereich Kettensägen lief es nicht ganz so rund. Nun wurden vor kurzem die zwei neuen Profisägen 572 XP und die etwas abgespeckte Version 565 mit neuem Motormanagement vorgestellt, die – endlich wieder möchte ich sagen – wieder Profi-Qualität haben.

Johannes Viertlmayr: Grundsätzlich stellt sich bei allen Produktentwicklungen vorerst die Frage, welche Zielsetzung man mit einem neuen Produkt verfolgt. Bei den seinerzeitigen Entwicklungen war es das Ziel, eine Formel 1– Säge zu bauen, eine sehr leichte Säge mit einem hohen Drehmoment. Die ersten Serien waren tolle Maschinen, die wirklich wie ein Formel 1-Auto gelaufen sind. Allerdings mit dem Problem, dass auch die Haltbarkeit einem Formel 1-Auto entsprach, also für einen Profi nicht ganz das war, was er sich vorstellte. Profis brauchen vor allem eine Säge, die jederzeit und überall ohne Problem eingesetzt werden kann, denn Ausfallzeiten kosten einfach unnötig Geld. Diesen Ansprüchen werden wir mit den neuen Sägen gerecht. Wir haben zwar jetzt nicht mehr die leichteste Säge am Markt, aber eine, die von der Standfestigkeit den Anforderungen von Profis mehr als entspricht.

ÖMM: Jetzt gibt es einmal zwei Modelle, die 572 XP und die 565. Jetzt habt ihr angedeutet, dass es dabei nicht bleibt, was erwartet uns in diesem Segment noch.

Viertlmayr: Die neuen 70 ccm-Sägen sind jetzt einmal reine Profisägen. Auf Basis der Technologie der 572 XP sind für die nächsten Jahre noch weitere Modelle mit 80, 60 und 50 cm Hubraum geplant. Doch jetzt müssen wir erst einmal die 70 ccm Sägen auf den Markt bringen. Wir starten in diesem Herbst in den Ländern Österreich, Polen und der Schweiz, ab dem nächsten Jahr ist dann der Europalaunch geplant. Erst wenn sich die 572 XP auf dem Markt bewiesen hat, werden wir das nächste Segment angehen – wahrscheinlich 2019/2020.

ÖMM: Trotz der Benzin-Lastigkeit vor allem bei Profisägen, das Thema Akku ist natürlich auch bei Husqvarna enorm wichtig. Was kann man hier noch erwarten.

Viertlmayr: Es gibt natürlich auch bei uns Diskussionen darüber, ob Benzingeräte weiterhin zeitgemäß sind, ob ein 2-Takter nicht schon technisch überholt ist oder ob man nicht auch in diesem Bereich auf Akkugeräte setzten sollte. Tatsache ist: Wir sind der Meinung, dass es in eini-
gen Bereichen, wie dem Forst frühestens ab 2030 zu einer Ablöse der Benzingeräte kommen wird. Man muss sich vorstellen, der Forst ist der Bereich, wo eine Motorsäge zehn Stunden am Tag funktionieren muss, mit einer entsprechenden Leistung und möglichst geringem Gewicht. In den meisten Wäldern, vor allen im Bergland gibt es einfach keine Steckdose und das Mittragen von Ersatzakkus ist auch nicht so einfach. Da müssen erst  einmal  Lösungen  gefunden  werden. Wir denken, dass der Markt zumindest im Profibereich bis in die Mitte der 20-er Jahre stabil bleiben wird. Kleinere Einbußen wird es allerdings im Consumer-Segment geben. Derjenige, der sich heute vielleicht noch eine Motorsäge mit zwei PS kauft, um einmal im Jahr sein Kaminholz zu schneiden, der wird in Zukunft ein potentieller Akkusägen-Käufer sein. Der Gesamtmarkt wird zurückgehen, der Profimarkt wird stabil bleiben.

ÖMM: Und was erwarten Sie vom Segment Akku?

Viertlmayr: Geräte mit Akkus bieten bereits jetzt so viele Vorteile, dass sie derzeit die einzige Alternative zu Benzingeräten sind. Für viele Menschen ist es ja nicht nur der Umweltgedanke, der den Markt für diese Geräte vorwärts treibt, sondern vor allem deren Komfort.
Trotzdem ist es schwierig, eine Gesamtprognose bis zum Jahr 2025 zu erstellen. Vieles wird davon abhängen, wie sich die  Technik der  Batterien entwickeln wird. Hier sind ja auch noch andere Kriterien abgesehen von der Leistung, ausschlaggebend. So stellt sich die Frage, wie umweltfreundlich sind Akkus. Noch nicht völlig geklärt ist etwa die Frage der Entsorgung und des Recyclings.

ÖMM: Einige Anbieter sprechen davon, dass bereits ab Mitte der 20-er Jahre der Anteil der Benzingeräte nur mehr im einstelligen Prozentbereich zu finden sein wird.

Viertlmayr: Ich glaube, dass im Privatbereich mit 2020/2025 bereits die überwiegende Anzahl der verkauften Geräte einen Akku besitzen. Die Akkugeräte werden günstiger werden und neue Kundengruppen ansprechen. Und jene Konsumenten, die bereits Akkugeräte haben, werden nach und nach ihr gesamtes Werkzeugsortiment auf Akku umstellen. Nicht zuletzt wird auch das Thema Smart Home und Smart Garden die Umstellung beschleunigen. Es gibt bereits jetzt eine Reihe von Anbietern, die sich intensiv mit dem vernetzten Heim beschäftigen – das ist die Zukunft und funktioniert im Gartenbereich mit den Connect-Robotern schon sehr gut.

ÖMM: Bevor wir uns dem Thema Vernetzung bei den Profigeräten widmen, wann kommt endlich ein neuer Husqvarna AkkuRider.

Viertlmayr: Ja natürlich arbeiten wir auch an entsprechenden Lösungen. Wir haben ja bereits seit einigen Jahren einen AkkuRider mit Bleibatterien auf dem Markt, der seine Liebhaber gefunden hat. Wir haben auch entsprechende Studien mit Li-Ionen-Akkus dem Markt präsentiert. Aber ein Gerät, wie wir uns das vorstellen, würde etwa 10.000 Euro kosten. Das kauft kaum jemand, wenn er  einen  Rider  mit  Benzinmotor  um
3.000 Euro kriegt. Der Konsument ist zwar schon bereit, etwas mehr für ein
Akkugerät zu bezahlen, aber irgendwo hat das auch seine Grenzen.

ÖMM: Mit der neuen Technologie hätte man doch die Möglichkeit, auch optisch etwas Neues zu entwickeln und eventuell dabei Kosten einzusparen.

Viertlmayr: Ja, das haben wir auch überlegt. Eine Konsumentenstudie hat aber gezeigt, dass wir uns nicht zu sehr von dem entfernen dürfen, was der Konsument heute vom Benzin-Aufsitzmäher gewohnt ist. Das nimmt er nicht an. Man könnte mit Akku ein Gerät komplett anders aufbauen, aber damit hätten wir wahrscheinlich nicht den gewünschten Erfolg. Der Konsument braucht für den Umstieg einfach die Optik des Benzingerätes. Es muss auch von der Bedienung ähnlich aufgebaut sein, muss Pedale und ein Lenkrad haben. Deshalb kann ich heute noch nicht sagen, wann wir die ersten AkkuRider mit Li-Ionen-Technologie auf den Markt bringen werden.

ÖMM: Überrascht hat, dass Husqvarna ab der nächsten Saison auch mit Hochdruckreinigern auf den Markt kommen wird. Wie kommt man dazu, ein neues Segment aufzugreifen, dass nicht nur in Österreich mit starken Marken bereits besetzt ist.

Viertlmayr: Wir sind ein innovatives Unternehmen und probieren von  Zeit zu Zeit gerne etwas Neues aus. So wurde auch der Gedanke geboren, unseren Fachhändlern ein weiteres Segment anzubieten. Wir testen jetzt einmal, wie die neuen Produkte am Markt ankommen – und in zwei drei Jahren schauen wir, ob es sinnvoll ist, hier weiter zu machen. Wenn die ersten Modelle – allesamt Kaltwasser-Hochdruckreiniger im Consumer-Bereich – vom Konsumenten angenommen werden, dann werden wir die Range weiter erweitern. Es gibt Pläne, in Zukunft eventuell auch Heißwassergeräte für die Landwirtschaft zu bringen. Die ersten Geräte können unsere Händler im Februar ordern, damit sie für das Frühjahrsgeschäft genügend HD-Reiniger im Geschäft haben. Preislich sind sie im unteren Segment angesiedelt, also gut zu verkaufen.

ÖMM: Kann man bei Erfolg damit rechnen, das Husqvarna dann auch ins Kommunalgeschäft einsteigt und Aufsitz-Reinigungsmaschinen – ähnlich wie Kärcher – auf den Markt bringt?

Viertlmayr: Das ist derzeit noch weit weg. Aber alles was im Profibereich möglich ist, das streben wir an. Wenn wir aber in dieses Segment einsteigen, dann brauchen wir die entsprechenden Strukturen dahinter.

ÖMM: Es gibt aber auch ein Thema, das so manchem Händler weh tut: Die Einstellung der Marke Jonsered.

Viertlmayr: Uns ist klar, dass es  in den nächsten Jahren sowohl von den Technologien mit einer starken Positionierung der Akkugeräte, als auch von den Vertriebsstrukturen her Veränderungen geben wird. Dem wollen wir auch als Unternehmen gerecht werden. Es ist einfach nicht sinnvoll, mehrere Marken in einer Zielgruppe auf dem Markt zu halten. Wir haben in den letzten Jahren die Marken Jonsered/ Husqvarna mit einer guten Strategie vertrieben. Denn wenn man verschiedene Marken führt, dann müssen diese Marken verschiedene Kundengruppen ansprechen. Technisch und optisch gleiche Geräte in zwei Farben zu bringen, das macht nicht viel Sinn. Wir fokussieren uns auf die Marke Husqvarna als hochwertige Profi-Marke für den Fachhandel.
Jonsered wird aber nicht ganz verschwinden, sondern ab 1.1.2018 in den Consumer-Bereich eingegliedert, wie die Marken McCulloch oder auch Poulan, und auch Zugriff auf den Technologie-Pool von McCulloch haben. Aus heutiger Sicht wird sich die Marke von Erscheinungsbild und Technik völlig verändern und es wird zukünftig keine JonseredProfi-Produkte mehr geben.

ÖMM: Dann wird es nur mehr eine Fachhandelsmarke im Husqvarna-Konzern geben

Viertlmayr: Für Europa wird die Fachhandelsmarke Husqvarna heißen, im asiatischen Bereich wird auch noch Zenoah als Fachhandelsmarke bestehen bleiben. Das ist einfach aus der Historie gegeben.

ÖMM: Ein großes Thema, mit dem sich die Österreicher auch intensiv beschäftigen, ist der Bereich Digitalisierung. Dazu gehören auch der Smart Garden für den
privaten Bereich und Fleet-Service für den gewerblichen Kunden.

Viertlmayr: Smart Home und Smart Garden sind die ideale Lösung für das vernetzte Zuhause, Fleet Service ist in der Profi-Liga angesiedelt. Einfach gesagt ist Fleet Service die Basis, die ein Produkt intelligent macht, indem es mit dem Anwender spricht. Das funktioniert im Grunde folgendermaßen: Die Geräte kriegen einen Sensor, auf der aktuelle Einsatzzeiten, aber auch Veränderungen an der Maschine aufgezeichnet werden. Über das Handy werden die Daten dann an eine Cloud gesendet, wo die Daten gesammelt werden. Beispiel: Wenn ich sehe, die Vibrationswerte bei Motorsensen verändern sich dramatisch, kann ich rechtzeitig das Gerät zum Service bringen, bevor das Getriebe zu brechen droht und größere Reparaturen anfallen. So Fehler kommen ja nicht aus heiterem Himmel, sondern kündigen sich an. Das Gerät erkennt, dass etwas nicht rund läuft und weist den Benutzer darauf hin oder meldet sich auch, wenn ein Service ansteht oder das Gerät getauscht werden soll. Das macht vor allem natürlich Sinn bei Profi-Anwendern, also Straßenmeistereien, GaLABauern und dergleichen, also überall wo mehrere Maschinen im Einsatz sind und durch Gebrechen Arbeitszeit und damit Geld verloren geht.
Der nächste Schritt wird sein, die Maschinenflotte über Fleet Service zu organisieren. Wenn also ein Dienstleister zehn verschiedene Kunden hat, dann muss er derzeit über jeden Vorgang Aufzeichnungen führen: Wie lange war ein Mitarbeiter beim jeweiligen Kunden, wie lange waren Hinund Rückfahrt, wie lange hat er gearbeitet, usw. Bisher mussten diese Aufzeichnungen händisch geführt werden. Mit Fleet Service drückt man auf einen Knopf und bekommt die Daten automatisch im Fleet Service Portal angezeigt. Darüber hinaus kann ich als Unternehmer mit einer entsprechenden Bediener-Karte sofort erkennen, welches Gerät mit welchem Mitarbeiter gerade im Einsatz ist. Bei Fleet Service 2.0 braucht man nur mehr ein Handy. Über Bluetooth Verbindung und dem Fleet Service App werden die aufgezeichneten Daten von Sensoren und Bediener-Karten automatisch ins Fleet Service Portal übertragen und übersichtlich dargestellt.
Wir haben Fleet Service 2.0 kürzlich bei einem Dienstleister in Dänemark getestet. Dieses Unternehmen mit 80 Mitarbeitern hatte 25 Prozent nicht verrechenbare Arbeitszeit, wie verschiedene Fahrten von A nach B oder Büroarbeiten. Mit Fleet Service hat er es geschafft, die nicht verrechenbare Arbeitszeit  auf 20 Prozent zu reduzieren. Bei 80 Mitarbeitern macht das eine Menge Kohle aus.

ÖMM: Im Zusammenhang mit dem Thema Fleet Service wurden bei der Tagung erstmals auch zwei neue orange Automower vorgestellt, die ausschließlich über die Fleet Service App zu bedienen sind. Am Gerät selbst gibt es nur mehr einen Aus/Ein-Schalter.

Viertlmayr: Technisch gesehen sind die beiden orangen Automower, die im Februar auf den Markt kommen, den bisherigen Geräten sehr ähnlich. Sie unterscheiden sich allerdings in der Steuerung, die ausschließlich über Handy, Tablet, Laptop oder Computer funktioniert. Am Gerät selbst gibt es kein Display, sondern lediglich einen Ein-/Aus-Schalter. Die Fleet-Automower 520 und 550 sind für Flächen ab 2.200 m² bzw. 5.000 m² konzipiert und können beliebig oft installiert werden. 2017 hat Husqvarna schon einen Golfplatz mit 64 Automowern in Norwegen ausgestattet.
Wie schnell und wie weit wir das neue Fleet Service Konzept in Österreich ausbauen, wird sich nach einer Testphase bei unseren Profikunden zeigen. Für alle anderen Geräte wie Motorsensen, Rasenmähern  oder  Aufsitzmäher gibt es einen Sensor, der direkt auf dem Gerät montiert wird und Daten aufzeichnet und speichert. Der Sonsor mit Langzeitspeicherfunktion gibt die Daten dann via Bluetooth Verbindung z.B. an ein Handy weiter und sendet diese an das Fleet Service Portal. Gerade bei Unternehmen, wo Mitarbeiter in den verschiedensten Orten arbeiten, ist das von Vorteil, da auch die Standortposition übermittelt wird. Wir wissen mittlerweile, dass manchen Unternehmen nicht einmal bekannt ist, wie viele Maschinen sie im Einsatz haben. Das wird jetzt lückenlos dokumentiert. Verlustbzw. Diebstahlsmeldungen aber auch die Inventur werden dadurch viel einfacher und spart viel Zeit ein. Darüber hinaus weiß der Unternehmer jetzt nicht nur, wo sich seine Maschinen befinden, er weiß auch, wann Maschinen ersetzt werden müsse und kann rechtzeitig planen. Aus den Aufzeichnungen ist aber auch ersichtlich, wenn die eingesetzten Maschinen zu klein dimensioniert sind – und das passiert oft. Dann kann die 25 ccm-Maschine rechtzeitig durch eine höherwertige ersetzt werden, um mehr Stundenleistung pro Mitarbeiter zu erzielen.

ÖMM: Bei Connecting und Digitalisierung kommt Husqvarna mit wieder immer neuen Ideen auf den Markt.

Viertlmayr: Es gibt heute eine Unzahl an Möglichkeiten in punkto Digitalisierung. Aber das alles wird nur erfolgreich sein, wenn der Konsument Vorteile daraus hat. Sehen wir uns nur einmal das autonome Fahren an. Viele Leute fahren gerne selbst. Die Parkplatzsuche, einparken, im Stau fahren, das sind alles Dinge, die fast jeder gerne seinem Auto überlassen würde.
Auch in unserem Bereich werden jene punkten,  die  dem  Konsumenten  das Leben  einfacher  machen.  Wenn  wir nur die Situation bei Ersatzteilen ansehen. Dass Lieferungen von Ersatzteilen schnell durch Drohnen durchgeführt werden, scheitert derzeit noch an d rechtlichen Rahmenbedingungen. W mit Sicherheit bald machbar ist: Klei Ersatzteile  wie  beispielsweise  ein Startergriff innerhalb weniger Minu
ten durch einen 3D-Drucker nach Bedarf vor Ort selbst herzustellen. Davon sind wir gar nicht so weit entfernt. Und wenn ein Kunde merkt, da muss ich nicht warten, hier wird etwas für mich getan, dann geht die Kaufentscheidung mit Sicherheit in Richtung dieses Produktes.

ÖMM: Husqvarna probiert aber auch andere Dinge aus, wie beispielsweise den Container für Produkte, die sich der Konsument ausleihen kann.

Viertlmayr: Gerade junge Menschen wollen nicht mehr generell alles besitzen. Sie borgen sich Geräte aus und wollen nicht mit Kauf, Lagerung und Service beschäftigt sein. Wir haben heuer erstmals in Schweden Container aufgestellt, wo man sich das Gerät mittels App reservieren kann. Es wird bereitgestellt, man holt es ab und gibt es dann wieder zurück. Abgerechnet wird über Kreditkarte. Bestückt wird der Container vom Husqvarna Händler, der sich jeden Tag um die Geräte kümmert. Die Kosten für den Konsumenten bleiben damit im Rahmen. Trotzdem ist das auch für den Händler ein lukratives Zusatz-Geschäft.

ÖMM: Herr Viertlmayr, es wird immer wieder darüber gesprochen, dass der Fachhandel – vor allem durch die Zunahme von Akku-Produkten und den Vertrieb über das Internet – immer weniger Stellenwert haben wird.

Viertlmayr: Im Gegenteil: Der Fachhändler hat noch nie eine so große Chance gehabt wie in den letzten Jahren. Der Konsument kann und will nicht mehr alles selbst machen, sondern lieber Zeit mit seiner Familie, seinen Freunden verbringen. Aber natürlich – und das war immer so – wird sich auch für den Fachhandel in den nächsten Jahres etwas ändern. Nicht zuletzt deshalb, weil sich der Markt verändern wird. Die Mittelklasse wird weniger werden, Akkugeräte im Billigbereich wer-
den dem Internet vorbehalten bleiben. Und der Fachhändler wird in Zukunft nicht einfach Produkte verkaufen können, sondern Lösungen. Das heißt, dass der Fachhändler der Zukunft dann gute Geschäfte machen kann, wenn er Qualitätsprodukte mit einer integrierten Serviceleistung verkauft.
Wir von Husqvarna sind in Richtung Fachhandel aufgestellt. Aber nicht im Akku-Einstiegsbereich um die 100 Euro, sondern dort, wo es noch etwas zu verdienen gibt. Wir sehen uns im serviceorientierten Servicebereich, dort wo auch das Zubehörund Ersatzteilgeschäft auch in Zukunft noch lukrativ sein wird.

ÖMM: Es wird aber immer wieder davon geredet, dass „die Industrie“ das Geschäft der Zukunft  vor  allem im Akku-Segment selbst über Internet abwickeln will.

Viertlmayr: Wir gehen davon aus, dass unsere Händler vor Ort verkaufen – auch über das Internet. Husqvarna selbst wird keine Online-Plattform anbieten, wo Husqvarna als Direkt-Verkäufer auftritt. Allerdings arbeiten wir schon im Hintergrund an Plattformen, wo wir gemeinsam mit unseren Händlern auftreten. Ein Beispiel ist das System „ Click und Collect“, wo man über Internet bestellt und beim Händler der Wahl das Gerät am nächsten Tag abholt. Wir haben bemerkt,  dass  die  Internet-Generation oft das direkte Gespräch nicht mehr möchte. Diese Käufer schauen sich das im Computer an und bestellen dann. Abholen ist okay, aber mehr wollen sie nicht mehr.

ÖMM: Herr Viertlmayr, abschließend noch eine Frage: Wenn Sie sich ein Gerät aus dem Husqvarna-Sortiment aussuchen müssten, welches wäre das?

Viertlmayr: Die neue 572XP!

ÖMM: Herr Viertlmayr, danke für das Gespräch..


Johannes Viertlmayr

Der gebürtige Oberösterreicher (ge- boren am 29.02.1976 in Sankt Leon- hard bei Freistadt) ist nach Absolvie- rung der Bundeshandelsakademie und zwei Jahren bei S plus S Marketing, Engineering and Computer Production seit April 1998 für die Husqvarna Austria GmbH tätig.

•    1998 – 2006 Ass. Verkaufsleitung Husqvarna
•    2006 – 2009 Verkaufsleitung Jonse- red und Oregon
•    2009 – 2013 Vertriebsleitung Division Husqvarna
•    2013 – bis dato  Geschäftsleitung Husqvarna Austria GmbH

Privat lebt Johannes Viertlmayr in einer  Lebensgemeinschaft  mit  einer „sehr verständnisvollen Frau“! Die bei- den haben zwei Kinder,  eine  Toch- ter mit 4,5 Jahren und einen Sohn mit 8 Monaten.
Er lebt in einem kleinen Ort, 17 km öst- lich von Linz gelegen in einem Haus mit Garten, in dem während des gan- zen Jahres alle möglichen neuen Husqvarna Geräte getestet werden.

Interessen:
Wissenschaft, Politik, IT und Kochen, Radfahren, Schwimmen und Laufen